Pochen BiennalePochen Biennale

Die (neue) Vermessung der Welt

Big Data, Data Literacy, Blockchain oder Data Commons – hinter diesen mehr oder weniger klar umrissenen Begriffen verbergen sich Phänomene, die den gegenwärtigen Gipfel einer rasant voranschreitenden Entwicklung markieren: Immer tiefer ist die digitale Transformation in den vergangenen Jahrzehnten in unseren Lebensalltag eingedrungen, um sich dort breit zu machen. Im Gefolge: Ein umfassender Medienwandel, der mit immer größeren Datenströmen bislang Unverbundenes digital vernetzt, Unsichtbares sichtbar macht und Lokales globalisiert. Während sich die mediale Öffentlichkeit über das Internet explosionsartig vergrößerte, wurde die Welt zu einem Dorf, in dem Distanzen aufgehoben und Wissen jederzeit für alle Nutzer:innen abrufbar gemacht wurden. Die umfassende Digitalisierung hat uns ein globales Gehirn beschert, mit dem wir Menschen näher zusammenrücken und unser Dasein zunehmend hybride Formen anzunehmen scheint.

Längst sind wir Nutzer:innen dabei nicht mehr nur Rezipient:innen: Als Produser:innen produzieren wir Informationen und emittieren eine Vielzahl an Daten. Unter dem Schlagwort Big Data bereichern wir uns mit immer neuen Möglichkeiten digitaler Praktiken. Gleichermaßen ist es zum Schlagwort für neue Formen der Überwachung und weitreichenden Möglichkeiten der Manipulation geworden: Bots nehmen Einfluss auf Wahlen in sozialen Netzwerken, es begegnen uns neue Formen der Ausgrenzung und neue Machtmonopole werden herausgebildet.

Und so zeigt die digitale Transformation der Gesellschaft zwei Gesichter: Kaum eine Person wird die Chancen und Erfolge, die sie auf Wissenstransfer, Kommunikation oder Produktionsverhältnisse vorzuweisen hat, infrage stellen. Dennoch deutet sich an vielen Facetten dieses historisch einzigartigen Umbruchs an: Eine bessere Welt haben wir nicht herbeidigitalisiert. Es wurden neue Machtstrukturen geschaffen und im Laufe der Jahre zementiert. Wir haben neue Formen des Miteinanders erzeugt, und diese zugleich in Teilen pervertiert. Wissen steht uns jederzeit und überall zur Verfügung. Und dessen Missbrauch ist gleichermaßen allgegenwärtig. Wo die Welt noch bis vor kurzem durch die umfassenden Digitalisierungsprozesse zusammenzurücken schien, werden unsere demokratischen Werte und unser gesellschaftliches Zusammenleben zunehmend auf die Probe gestellt. Doch es gibt Gegenentwürfe: Konzepte zu Data Literacy oder Ideen wie Big Democracy versprechen mehr Kompetenz und Transparenz sowie ein nie gekanntes Maß gesellschaftlicher Teilhabe. Diese Spannungsfelder wollen wir gemeinsam erarbeiten. Was verraten unsere Daten, und wo geben wir sie frei? Wie können wir mit den Mitteln der Kunst Antworten auf diese Fragen finden und neue immersive Erfahrung zur Auseinandersetzung mit dem Themenfeld anregen – zum POCHEN Symposium 2021 werden wir den Versuch unternehmen, uns dieser Herausforderung zu nähern.

Grußwort der Kuratorin - Agnieszka Kubicka-Dzieduszycka - der POCHEN Biennale 2022.

Viele neue Wörter kreisen um uns herum. Sie klingen modern, geheimnisvoll und erwecken den Eindruck, robust, intelligent und zuverlässig zu sein, mindestens so sehr wie die Maschinen, die die Phänomene und Prozesse hinter diesen Worten steuern. Digitalisierung, Big Data, künstliche Intelligenz, Automatisierung, Optimierung, Verhaltensprogrammierung, Internet der Dinge, affektives Computing – dies sind die am häufigsten verwendeten Begriffe, die den derzeitigen tiefgreifenden Wandel der Welt beschreiben. Diese Worte wecken die Hoffnung auf eine reibungslose, smarte Überwindung der zahlreichen aktuellen Krisen und gleichzeitig die Beunruhigung aufgrund einer gewissen Unklarheit, die sie verbreiten. Sicher ist nur, dass der radikale Übergang zur Digitalität, der sich derzeit vollzieht, unser Leben live, vor unseren Augen völlig verändert. Auf Gedeih und Verderb. Obwohl die Zeit beschleunigt und die Technosphäre sich in einem fast exponentiellen Tempo entwickelt, scheint es, dass die Dinge noch nicht so weit fortgeschritten sind, dass sie sich unserer Kontrolle völlig entziehen, und dass wir als Menschheit immer noch in der Lage sind, die Richtung des Wandels, den die technologischen Entwicklungen vorgeben, kollektiv und gerechter zu gestalten.

Das diesjährige POCHEN-Symposium, das den Boden für die POCHEN-Biennale im nächsten Jahr bereitet, ist der Reflexion und Diskussion dieser Fragen gewidmet. Gemeinsam mit Künstler:innen, Expert:innen, Akademiker:innen, Aktivist:innen und Chemnitzer:innen wollen wir das Feld des Diskurses absuchen, die fragwürdigsten und hoffnungsvollsten Momente identifizieren, die systemische Komplexität der Themen erfassen und neue Ansätze und Perspektiven finden, um Gemeinschaften und Einzelpersonen, die an der digitalen Transformation beteiligt sind, zu stärken und zu befähigen. Ich freue mich, dass ich als Kuratorin der POCHEN Biennale 2022 an diesem organischen Prozess, den das POCHEN-Team und ich seit einigen Monaten gemeinsam entwickeln, im Vorfeld der Ausstellung im nächsten Jahr teilnehmen kann. Vom Symposium erwarte ich, dass es uns in einen Zustand erhöhter, kritischer und kreativer Aufmerksamkeit versetzt und uns darauf vorbereitet, Künstler:innen zu begegnen, die Technologie in ihrer künstlerischen Praxis einsetzen: Daten analysieren, umwandeln, visualisieren und erfassen und so Räume für mehr menschliche Autonomie im digitalen Zeitalter schaffen.

POCHEN Symposium Ansatz

Seit 2018 erzählen wir mit der multimedialen Biennale POCHEN in Chemnitz Geschichte und Geschichten rund um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Alle zwei Jahre widmen wir uns dabei einem neuen Thema, das die Menschen in unserer Region und in ganz Deutschland nachhaltig bewegt. Im Rahmen unseres POCHEN Symposiums kommen wir mit interdisziplinären Projektpartner:innen, Künstler:innen und Gästen zusammen, um wertvolle Sachbeiträge anzuregen und unterschiedliche Stimmen rund um unser Thema für die kommende Biennale einzufangen. Das diesjährige Symposium gilt dem Versuch, die Phänomene der Digitalisierung und Datafizierung tiefer zu durchdringen. Im Rahmen der einzelnen Veranstaltungspunkte wollen wir unterschiedliche Perspektiven freilegen. Welche Rückkopplung hat die Datafizierung auf unser soziales Zusammenleben und unsere demokratischen Werte? Und wie können künstlerische Eingriffe die fließenden Übergänge zwischen Mensch und Software, Individuum und Masse sowie Arbeit und Freizeit aufzeigen und kritisch erkunden? Unter der Leitfrage: „Welche Erfahrungen und Fähigkeiten benötigen Menschen als datenkompetente und -souveräne Individuen im 21. Jahrhundert?“, möchten wir Teilnehmer:innen wie Besucher:innen umfassend auf den Umgang mit digitalen aber auch analogen Daten sensibilisieren und zu Diskussionen anregen. Geleitet werden wir dabei von der Frage: Wie können wir das Thema mit den Mitteln der multimedialen Kunst durchdringen und welche neuen Vermittlungsperspektiven kann sie uns ermöglichen?

POCHEN Symposium Kompakt

Anfahrt

Unser POCHEN Symposium findet im Chemnitz Open Space (Brückenstraße 10 / 09111 Chemnitz) statt. Die nächstgelegene Bushaltestelle heißt: Chemnitz, Stadthalle. Bei der Anreise mit der Deutschen Bahn empfehlen wir Ausstieg Chemnitz-Hauptbahnhof und einen 10 Minuten Fußweg bis zum Chemnitz Open Space.

Die POCHEN Symposium 2021 Gäste

Öffnungszeiten

Donnerstag: 19:30 - 24:00 Uhr
Freitag: 20:00 - 22:30 Uhr
Samstag 19:00 - 23:00 Uhr
Sonntag: 19:00 - 21:00 Uhr
   
Der Eintritt zum Symposium basiert auf Spendenbasis. Wir freuen uns über eine Spende von Ihnen.
Bitte prüfen Sie für die Veranstaltungen und Workshops die Beschreibungen in der Programmbroschüre, auf Facebook oder Instagram

Hygieneregeln

Die Veranstaltungen stehen allen Gästen nach der 3G-Regelung offen. Wir bitten um Kontakterfassung über die Corona-Warn-App oder analog auf dem Vordruck.

Für die Durchführung der Veranstaltung haben wir ein genehmigtes Hygienekonzept der Stadt Chemnitz. Grundsätzlich setzen wir bei ihrem Besuch auf Mündigkeit und Verantwortungsbewusstsein gegenüber ihren Mitmenschen.
Aufgrund des geltenden Hygienekonzepts ist die Besucheranzahl im Chemnitz Open Space begrenzt. Daher bitten wir bei Wartezeiten um Verständnis und Rücksichtnahme. Frühes Kommen zu den Veranstaltungen kann helfen lange Wartezeiten zu vermeiden. 
Das Tragen eines Mund-Nasen-Bedeckung ist innerhalb des Chemnitz Open Space Pflicht. Achten Sie bitte im Chemnitz Open Space auf ausreichend Abstand zu den weiteren Gästen. 
Im Außengelände muss kein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. 

Unterstützen Sie gern POCHEN

POCHEN wird maßgeblich von einem ehrenamtlichen Kernteam aus rund 8 kunstinteressierten Menschen getragen, die gern gemeinsame Zeit und teilweise ihren Urlaub investieren, um die Ausstellung bzw. das Symposium mit dazugehörigem Begleitprogramm zu ermöglichen.
Unsere gemeinsame Arbeit wird durch Sachspenden von Firmen aus der Region und durch Fördermittel von Kommunen, Land und Institutionen unterstützt. Die Fördermittel kommen von der der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen und der Stadt Chemnitz.
Um die vollständigen Kosten zu decken und bestenfalls eine Anschubfinanzierung für die POCHEN Biennale 2022 zu haben, sind wir auf Ihre Unterstützung angewiesen!

Wir suchen ihre Unterstützung!

Sie haben Lust POCHEN zu unterstützen oder sich bei uns zu engagieren? Sie sind herzlich eingeladen Teil der POCHEN Crew  zu werden, die dieses Projekt mit viel Freude, Engagement und Enthusiasmus möglich macht. Schreiben Sie uns gern eine Mail an info@pochen.eu. Wir freuen uns über ihre Unterstützung!

Programm


Sie können unser Programm hier herunterladen.

Team

Hannes Drißner

Dass Sachsen langsam etwas hipper wird, erkennt man wohl daran: Die Schwaben kommen. Hannes ist ein Beispiel dafür. Aus Stetten am kalten Markt in Baden-Württenberg kommend, arbeitet Hannes als freischaffender Grafikdesigner und als Buchgestalter beim Leipziger Kunstbuch Verlag Spector Books. Nach seinem Mediendesign-Studium an der Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) und der University of Reading (UOR) zog es ihn nach Sachsen.
Nebenbei bewegt er sich auf dem Brett, das die Welt bedeutet — dem Skateboard. Straight outta Rampenpark verantwortet Hannes die visuelle Identität der POCHEN Biennale: Vom Katalog zum Leporello tragen sämtliche Drucksachen die Handschrift Hannes’. Und die ist wirklich einzigartig.

Rene Szymanski

Rene ist der Generalist unseres Teams: Hat überall seinen Kopf mit drin und denkt an allen Ecken und Enden mit. Bei POCHEN ist er für das Rahmenprogramm verantwortlich. Hier zerbricht er sich den Kopf darüber, wie multimediale Kunst von allen verstanden werden kann, und wie die inhaltliche Schärfe unserer Themen für die Öffentlichkeit aufbereitet werden können. 

Seit seinem Philosophiestudium macht er das bereits in aller Regelmäßigkeit für das Kulturhaus Arthur in Chemnitz. Da ist er vor allem mit Projektentwicklung, Künstlerbooking und Fundraising betraut.

Rene Szymanski

Lucia Schaub

Lucia kam als Mailartistin zur POCHEN Biennale: Soll heißen, sie sendet unterschiedlichste Gegenstände durch die Welt und schaut, ob der Postdienst die Dinge durchgehen lässt. 

Daneben ist sie als Projektkoordinatorin bei der Chemnitzer Wirtschaftsförderung (CWE) tätig. Ihr bisheriges Paradestück: das Stadtjubiläum 875 Jahre Chemnitz. Und auch über die Stadtgrenzen hinaus ist sie gut vernetzt: ob bei Festivals in der Schweiz oder in die Chemnitzer Partnerstadt Düsseldorf - Hauptsache Kunst steht im Mittelpunkt.

Natalie Bleyl

Natalie, aus einem erzgebirgischen Dorf bei Aue nach Chemnitz ausgewandert, um die aufregenden Chemnitzer Großstadtmotive vor die Linse zu bekommen, ist als Fotografin Teil unseres Social-Media-Teams.
Nachdem sie ihren Bachelor-Abschluss in Europastudien machte, wechselte sie für Ihren Master in die Anglistik/ Amerikanistik, an dessen Abschluss sie derzeit arbeitet. Nebenbei beschäftigt sie sich ziemlich erfolgreich mit Analog-Fotografie: In diesem Jahr erhielt sie den Anerkennungspreis der JugendKunstTriennale der Kunstsammlungen Zwickau 2021. Ihre Werke hingen u.a. im Club Zukunft oder den Kunstsammlungen Zwickau. Und jetzt hängen sie bei uns – im Instagram- oder Facebook-Feed, wo sie euch regelmäßig mit Bildmaterial versorgt.

Natalie Bleyl

Maria Cuptior

Maria ist unsere Netzwerkerin: Sie liebt Kunst, Kultur und alles, was damit im Zusammenhang steht. Bei POCHEN ist sie verantwortlich fürs Mögen und Gemochtwerden, für das Teilen und Geteiltwerden, fürs Sprechen und Besprochenwerden in sämtlich sozialen Netzwerken verantwortlich. 

Seit 2015 hat Maria, geboren in Transnistrien (oder auf Russich Pridnestrovie), in Deutschland ihr zweites Zuhause. Nachdem sie Ihr Linguistikstudium abgeschlossenen hatte, ging Maria nach Leipzig, um dort als Volontärin mit Kindern zu arbeiten. Schon ein Jahr später folgte Maria ihren kreativen und analytischen Impulsen, und nahm in Chemnitz eine duale Ausbildung  in Marketingkommunikation auf. Derzeit arbeitet sie bei der KOMSA AG im Bereich E-Mail und Content Marketing.

Frank Schönfeld

Frank ist die Person, die jedes Projekt braucht: Nicht viel Worte verlieren, aber messerscharf mitdenken; nicht lang aufhalten, sondern machen. Ein praktischer Typ, weshalb er bei der POCHEN Biennale die gesamte Produktion leitet. 

Auch andere Organisationen wissen das zu schätzen: Seit 2017 beispielsweise die Chemnitzer Entwicklungsgesellschaft (kurz CWE), wo er der Chemnitzer Kultur- und Kreativwirtschaft auf die Beine hilft. In diesem Rahmen konzipiert er unter anderem das Programm zur Kreativförderung Chemnitz (kurz Krach). Außerdem ist er als Vorstandsvorsitzender des Spinnerei e.V. für zahlreiche andere Veranstaltungen verantwortlich: Das Treibsand zum Beispiel, oder Kulturevents wie das a wie apéritif im Staatlichen Archäologiemuseum Chemnitz (kurz: smac).

Frank Schönfeld

Benjamin Gruner

Bei Benjamin laufen die ganzen Fäden zusammen: Als Projektleiter der POCHEN Biennale hält er alle am Projekt Beteiligten beisammen und strickt die vielen Ideen zu einem Festival zusammen. 

Seit 2013 tragen auch andere Kunst- und Kulturveranstaltungen seine Handschrift: So etwa das ibug- Festival für urbane Kunst, seit 2019 die Kunstbiennale OSTRALE in Dresden und in diesem Jahr sogar eine Ausstellung im Rahmen des europäischen Kulturjahres 2020 in Rijeka (Kroatien). Doch auch der regionale Kulturveranstaltungsmarkt weiß seine Umtriebigkeit zu danken: Für die Fête de la Musique oder die Veranstaltungsreihe Salam Chemnitz – Eine Geschichte der Freundschaft.

Benjamin Gruner

Philipp Nürnberger

Philipp zaubert bei der POCHEN Biennale: Aus seinen Fingerspitzen direkt in den Bildschirm seines Laptops. Denn er ist beim POCHEN für die gesamte Textarbeit verantwortlich. 

Das macht er schon seit Jahren: Erst als Germanistikstudent, dann als Lektor in einem Verlag und heute als Copywriter in einer Chemnitzer Marketingagentur. Und wenn er mal nicht mit seinen Fingerspitzen zaubert, dann nimmt er seine Beine für die Magie: Bei der Chemnitzer Druckbude e.V. ist er als Skateboardtrainer tätig.

Philipp Nürnberger

Constanze Gröer

Constanze hat bei uns die Zahlen im Blick: Gekonnt jongliert sie damit von Soll an Haben, sodass bei POCHEN die Bücher stimmen. Tun sie doch, oder Constanze? 

Daneben ist sie die Feel-Good-Managerin im Spinnerei e.V. Hier kümmert sie sich ums wohl aller: Aller Bücher, aller Mitglieder und aller Gäste. Denn neben der Buchhaltung schmeißt sie hier die Yogakurse, teilt Massagen aus, bearbeitet eingehende Anfragen und trifft Terminvereinbarungen.

Constanze Gröer

Projektpartner & Förderer

Förderer

Projektpartner