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Programm

Do 22 Okt

Vernissage POCHEN Biennale 2020

Einlass: 19:00 Uhr

Eintritt: frei

Am Donnerstag, den 22. Oktober 2020 ist es endlich soweit und die Biennale für multimediale Kunst POCHEN öffnet ihre Tore für Euch. Zu erleben gibt es einen ersten Blick in unsere Ausstellung im Wirkbau Chemnitz - und ihr seid herzlich dazu eingeladen. Auf euch warten 10 Tage volles Programm zwischen Kunst - Klängen und spannenden Beiträgen in der Stadt. 

Begrüßung und Moderation: Sylvie Kürsten

Fr 23 Okt

"Warum die Treuhand das Land spaltet?"

Eintritt: frei

Spaltet die Treuhand das Land? Eine Frage, mit der die Diskutant*innen unter Rückgriff auf persönliche Erfahrungen und sozial-historischen Betrachtungen die Kernausstellung der diesjährigen POCHEN Biennale eröffnen werden. War die Transformation ein Erfolg? Und was bedeutet eigentlich Erfolg angesichts der historischen Einmaligkeit der Wende?
Ob die wirtschaftliche Transformation ein Erfolg war oder nicht bleibt – eine Antwort auf diese Entscheidung bleibt am Ende immer davon abhängig, welche Geschichten davon erzählt und welche Lehren daraus für zukünftige Veränderungen gezogen werden.
Es sind diese Lehren und Geschichten, die uns die Podiumsteilnehmer Dr. Marcus Böick, Historiker an der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Dierk Hoffmann vom Institut für Zeitgeschichte und Erwin Feige, ein Zeitzeuge aus Chemnitz, näherbringen werden. Untermalt wird die Veranstaltung von einer Performance der Künstlerin Ya-Wen Fu, moderiert von Sylvie Kürsten.

Moderation: Sylvie Kürsten

Gäste: Marcus Böick (Ruhruni Bochum); Dierk Hoffmann (Zentrum für zeithistorische Forschung); Erwin Feige (Zeitzeuge Treuhand Chemnitz)

Grußworte: Herr Prof. Dr. SHIEH, Jhy-Wey ist der Repräsentant der Vertretung Taiwan

Performance: Ya-Wen Fu

Eröffnung der künstlerischen Arbeit von Andreas Siekmann und einer Hörstation mit einer Neuproduktion eines Podcasts in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Deine Geschichte - Unsere Zukunft“ im Foyer.

Sa 24 Okt

Manja Präkels - Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß

Eintritt: 5-8€

Wie war das eigentlich, in diesem Land zu leben, das 1990 abrupt aufhörte, auf der Landkarte zu existieren? Und was trat an dessen Stelle? Manja Präkels und Pascal Anselmi nehmen uns mit auf eine literarische Spurensuche: Während wir in Präkels Roman „Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß“ vom Verschwinden der DDR in einem brandenburgischen Kleinstadtidyll erzählt, erfahren wir von Pascal Anselmi von den Ergebnissen seiner wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel „Die Erfindung des Ostdeutschen – Literarische Dekonstruktion eines imaginierten Ostens“. Ein Lesetalk und ein spannendes Aufeinandertreffen verschiedener Perspektive rund um die sehr ernste Frage nach der Wahrheit der Dichtung. Oder Dichtung der Wahrheit?

Moderation: Pascal Anselmi

So 25 Okt

Die Treuhandanstalt in Chemnitz - ein Spaziergang zur Fettchemie

Eintritt: Spende

Wo heute der Solaristurm die Silhouette der Stadt prägt, begann vor 30 Jahren der Abriss und die Stilllegung einer maroden und runtergewirtschafteten Chemiefabrik. Eine Fabrik, deren bekanntestes Produkt bis heute in zahlreichen Haushalten zu finden sein ist: Das Spülmittel fit. Während sich jedoch das Spülmittel erfolgreich in die neue Zeit rettete, wurde das einstige Stammwerk der VEB Fettchemie von der Treuhandanstalt als nicht als „nicht sanierungsfähig“ eingestuft und schließlich stillgelegt. Wo 1991 1800 Mitarbeiter:innen ihre Arbeitsplätze verließen und zum Teil in eine Auffanggesellschaft überführt wurden, zog nun die Chemnitzer Niederlassung der Treuhandanstalt in das Verwaltungsgebäude. Weite Teile des übrigen Areals wurden stillgelegt oder umfunktioniert. Das schauen wir uns an. In einem ca. einstündigem Rundgang suchen wir nach Spuren des legendären Unternehmens. Dabei werden wir nicht nur vom Anfang und Ende der Fabrik erfahren, sondern auch schauen, was auf dem Gelände der ehemaligen Böhmechemie und Fettchemie Neues gewachsen ist.

Gästeführerin: Edeltraud Höfer

Anmeldung bis 22.10.20 unter: edeltraud.hoefer@web.de

Wir machen weiter... Die Schützes - Ein Leben in Deutschland

Eintritt: 3,50 € ermäßigt / 4,50 € normal

Der Zufall wollte es, dass im Dezember ’89 der Regisseur Wolfgang Ettlich und der Kameramann Hans-Albrecht Lusznat während einer spontanen Reise durch das Gebiet der ehemaligen DDR auf Familie Schütz trafen. Jürgen Schütz, damals noch Leiter eines HO-Gemüseladens, konnte es kaum erwarten, endlich sein eigener Chef zu sein, nachdem der Sozialismus der Vergangenheit angehörte. Angestachelt vom Optimismus der Familie Schütz, endlich den Schritt in die Marktwirtschaft gehen zu können, begleiteten der Filmemacher und sein Kameramann Familie Schütz durch den Umbruch. Wir schließen uns ihnen an, schauen zunächst den Film und werden anschließend mit dem Filmwissenschaftler und Regisseur des Films, Wolfgang Ettich, diskutieren.

Moderation: Claus Löser

Gast: Wolfgang Ettlich (Regisseur)

Mo 26 Okt
Di 27 Okt

Erinnerungen an die Treuhandanstalt - ein Versuch der Annäherung

Eintritt: Spende

Trägt man die Erfahrungen der Wendezeit zusammen, so wird sich ein vielschichtiges Mosaik aus unterschiedlichen Ereignissen, persönlichen Höhepunkten oder tiefsitzenden Enttäuschun-gen ergeben. Eine gemeinsame Erzählung, eine kollektive Erinnerung über die Ereignisse nach der Wiedervereinigung, insbesondere jene Vorgänge, die durch die Treuhandanstalt getragen wurden, scheint sich wiederrum nicht durchsetzen zu können. Unsere Podiumsgäste wollen sich daher der Frage stellen: Wie wollen wir uns eigentlich als ein Gesamtdeutschland an die Treuhandanstalt erinnern? Detlef Scheuner, ehemaliger Direktor der Treuhandanstalt, Laura Ludwig, Leiterin des Museums für Werte und Katrin Rohnstock, Publizistin und geschäfts-führende Inhaberin von Rohnstock Biografien, werden auf dem Podium einen Versuch der Annäherung wagen.

Moderation: Volkmar Zschocke

Gäste: Detlef Scheunert (ehem. Treuhand Direktor), Laura Ludwig (Museum für Werte), Katrin Rohnstock (Rohnstock Biografien)

Mi 28 Okt
Do 29 Okt

Kunst als Tool für zeitgeschichtliche Themen oder Potentiale der Kunst

Eintritt: Spende

Jetzt mal ehrlich: Kann Kunst, wie sie bei der POCHEN Biennale präsentiert wird, überhaupt das richtige Mittel sein, ein Themengebiet wie die Treuhand erfahrbar, neu denkbar und verschiedenartig erzählbar zu machen? Und jetzt mal noch ehrlicher: Was sind kuratorische Möglichkeiten und Grenzen in Bezug auf die Vermittlung zeitgeschichtlicher Themen? Muss Kunst Instrument sein und sich an „Nutzbarkeit“ oder vielleicht sogar „Qualität“ messen lassen? Das Podium wird versuchen, sich den Antworten auf die Fragen anzunähern. Ihre Gedanken zum Thema liefern uns: die Künstlerin Ute Richter, die Kuratorin des Museums Gunzenhauser in Chemnitz, Anja Richter, und Dr. Frederike Sigler, Dozentin für Kunstgeschichte an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Durch den Abend wird uns das Team Field Recorder mit einer Lecture- und Soundperformance mitnehmen. In eine Vergangenheit des Nicht-Vergangenen.

Moderation: Beate Düber

Gäste: Ute Richter (Künstlerin), Anja Richter (Kuratorin), Friederike Sigler (HfBK Dresden)

Lecture - & Soundperformance: Field Recorder - Transpersonale Rückführungstherapie

D-Mark, Einheit, Vaterland

Eintritt: 6€

„Die Treuhandanstalt war der Maschinenraum, der die ostdeutsche Wirtschaft umstrukturieren und die Wiedervereinigung vorbereiten sollte“, beginnt die Pressemitteilung, die im vergangenen Jahr die Premiere der Dokumentation „D-Mark, Einheit, Vaterland – Das schwierige Erbe der Treuhand“ ankündigte. In ihrem Film dokumentieren Inge Kloepfer und Jobst Knigge das Wirken der Treuhandanstalt von 1990-1994. Maßgeblich am Film beteiligt: Birgit Breuel. Als Leiterin der Treuhandanstalt von 1991-1994 und als Symbolfigur der zum Teil brutalen Liquidationspolitik erinnert sie sich im Film und nimmt uns mit, in eine Zeit, die den schwierigen Start der Deutschen Einheit markiert.

Begleitet wird die Veranstaltung vom Chemnitzer Seniorenfilmclub: Für die POCHEN Biennale kramten sie in den historischen Filmarchiven. Sie präsentieren filmisches Zeitzeugenmaterial, mit dem sie uns die Aufregung der Zeit in und um Chemnitz anschaulich machen wollen.

Fr 30 Okt

Jan Wenzel - Das Jahr 1990 freilegen

Eintritt: 5€

Wo warst du, als die Mauer fiel? Wo hast du gelebt, was passierte politisch und was hast du getan, in diesen Zeiten des Aufbruchs? Unterschiedlichste Menschen finden unterschiedlichste Antworten auf diese Fragen, die Ihnen Jan Wenzel stellte. In seinem Sammelband portraitierte der Verleger, Autor und Künstler bekannte und unbekannte Stimmen rund um die deutsche Wiedervereinigung. Mit seinem beinahe archäologischen Vorgehen gelingt es ihm, eine historisch vielstimmige Auseinandersetzung mit diesem fast schon blinden Fleck deutscher Zeitgeschichte freizulegen. Mitsamt allen Um- und Aufbrüchen jener Zeit. Gemeinsam mit uns wird Jan Wenzel das Jahr 1990 noch einmal freilegen. Die Lesung und das anschließende Autorengespräch werden moderiert von Sabine Maria Schmidt, Kuratorin der Kunstsammlungen Chemnitz und der POCHEN Biennale 2020.

Moderation: Sabine Maria Schmidt (Kuratorin Kunstsammlungen Chemnitz / Co-Kuratorin POCHEN)

Sa 31 Okt

AUSPOCHEN

Eintritt: 5€

Unter den aktuellen Umständen - ein Sitzkonzert. Auf die Ohren wollen wir trotzdem was bekommen: Und genau dafür sorgen an diesem Abend die Klangkomponistin Mieko Suzuki und der Komponist und Videokünstler Frank Bretschneider.

In ihren Sets und Performances beschäftigt sich die aus Hiroshima stammende, in Berlin lebende Klangkünstlerin Mieko Suzuki mit der Materialität von Zeit und Raum. Sie kombiniert Drone-Sounds und Feldaufnahmen mit dem Knistern elektrischer Schaltkreise und dem Klang zerbrochener Vinylplatten. Heraus kommt das Unerwartete.

Außerdem dabei: Frank Bretschneider, Mitbegründer von Rastermusik und damit eine Schlüsselfigur des deutschen Techno- und Experimentalsounds. Er ist bekannt dafür, seine komplexen, miteinander verwobenen Rhythmusstrukturen mit hypnotischen Visuals zu verschmelzen. Weltweit treffen seine Musik und seine Visuals auf die begeisterten Ohren und Netzhäute von Musik- und New-Media-Festival-Besucher*innen. Heute sind wir dran.

Musiker:innen: Frank Bretschneider, Daniel Pflumm, Mieko Suzuki & Claudia Rohrmoser present BROKEN VINYL (A/V)

So 01 Nov

Finnisage

Eintritt: Spende

Zur Finissage laden wir nochmal zu einem letzten Gang durch die diesjährige Ausstellung. Dazu gibts ein Künstlergespräch mit Andreas Siekmann. In den 1980er Jahren studierte der Künstler an der Kunstakademie Düsseldorf. Bereits seit Beginn seines Werkes beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten gesellschaftskritischer künstlerischer Arbeit in der Gegenwart. Seine eigenwilligen, erzählerischen Bildwelten entwickelt er aus kunsthistorischen und massenmedialen Bildreferenzen sowie aus Beobachtungen, die er der Realpolitik entnimmt. In „Verhandlungen unter Zeitdruck“ thematisiert Andreas Siekmann die Parameter der wirtschaftlichen Umstrukturierung Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung. Beim Podiumsgespräch zwischen dem Künstler und der Kuratorin Sabine Maria Schmidt werden wir mehr erfahren.

Moderation: Sabine Maria Schmidt (Kuratorin Kunstsammlungen Chemnitz / Co-Kuratorin POCHEN)

Gast: Andreas Siekmann