Pochen BiennalePochen Biennale

Die (neue) Vermessung der Welt

POCHEN Biennale 29.09. - 09.10.22

Grußwort der Kuratorin Agnieszka Kubicka-Dzieduszycka

Viele neue Wörter kreisen um uns herum. Sie klingen modern, geheimnisvoll und erwecken den Eindruck robust, intelligent und zuverlässig zu sein, mindestens so sehr wie die Maschinen, die die Phänomene und Prozesse hinter diesen Worten steuern. Digitalisierung, Big Data, künstliche Intelligenz, Automatisierung, Optimierung, Verhaltensprogrammierung, Internet der Dinge, affektives Computing – dies sind die am häufigsten verwendeten Begriffe, die den derzeitigen tiefgreifenden Wandel der Welt beschreiben. Diese Worte wecken die Hoffnung auf eine reibungslose, smarte Überwindung der zahlreichen aktuellen Krisen und gleichzeitig die Beunruhigung aufgrund einer gewissen Unklarheit, die sie verbreiten. Sicher ist nur, dass der radikale Übergang zur Digitalität, der sich derzeit vollzieht, unser Leben live, vor unseren Augen völlig verändert. Auf Gedeih und Verderb. Obwohl die Zeit beschleunigt und die Technosphäre sich in einem fast exponentiellen Tempo entwickelt, scheint es, dass die Dinge noch nicht so weit fortgeschritten sind, dass sie sich unserer Kontrolle völlig entziehen, und dass wir als Menschheit immer noch in der Lage sind, die Richtung des Wandels, den die technologischen Entwicklungen vorgeben, kollektiv und gerechter zu gestalten.

Das POCHEN-Symposium 2021 hat den Boden für die POCHEN-Biennale in diesem Jahr bereitet und war der Reflexion und Diskussion dieser Fragen gewidmet. Gemeinsam mit Künstler:innen, Expert:innen, Akademiker:innen, Aktivist:innen und Chemnitzer:innen haben wir das Feld des Diskurses abgesucht, die fragwürdigsten und hoffnungsvollsten Momente identifiziert, versucht die systemische Komplexität der Themen zu erfassen und uns neuen Ansätzen und Perspektiven gewidmet, um Gemeinschaften und Einzelpersonen, die an der digitalen Transformation beteiligt sind, zu stärken und zu befähigen. Ich freue mich, dass ich als Kuratorin der POCHEN Biennale 2022 an diesem organischen Prozess, den das POCHEN-Team und ich seit April 2021 gemeinsam entwickeln, teilnehmen kann. Zusammen können wir nun im Zustand erhöhter, kritischer und kreativer Aufmerksamkeit Künstler:innen begegnen, die Technologie in ihrer künstlerischen Praxis einsetzen: Daten analysieren, umwandeln, visualisieren und erfassen und so Räume für mehr menschliche Autonomie im digitalen Zeitalter schaffen.